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Rede von Staatsministerin Natalie zum Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz

Rede der Integrationsbeauftragten bei der ersten Beratung des Bundestags zum von der Bundesregierung eingebrachten Entwurf des Gesetzes zur Verbesserung der Startchancen von Kindern und zur Qualitätsentwicklung in der Kindertagesbetreuung (Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz – SCQEG)

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben ein zutiefst anderes Menschenbild als Sie, und genau deshalb machen wir dieses Gesetz.

Wenn wir über Integration sprechen, denken wir oft an Sprachkurse, den Einstieg in den Arbeitsmarkt oder die Anerkennung von Berufsabschlüssen. Dabei übersehen wir häufig, dass Integration und Teilhabe auch dort stattfinden, wo Kinder gemeinsam spielen, miteinander sprechen, Freundschaften schließen und lernen, Teil der Gemeinschaft zu sein: in unseren Kitas. Dort erwerben Kinder nicht nur wichtige Sprachkenntnisse, sondern sie entdecken ihre Fähigkeiten, entwickeln Selbstvertrauen und erleben, wie das Miteinander funktioniert.

Doch nicht alle Kinder haben die gleichen Möglichkeiten, von früher Bildung zu profitieren. Die Chancen von Kindern in Deutschland sind immer noch höchst ungleich verteilt. Ob ein Kind in Armut aufwächst, welche Sprache zu Hause gesprochen wird, welche Möglichkeiten die Eltern haben, ihre Kinder zu fördern, beeinflusst den späteren Bildungserfolg viel zu stark.

Das Problem sind nicht die unterschiedlichen Voraussetzungen, mit denen Kinder aufwachsen. Das Problem ist, dass unser Bildungssystem diese Unterschiede viel zu selten ausgleicht. Genau deshalb ist das Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz so wichtig. Ich möchte gerne drei Punkte besonders hervorheben:

Erstens. Wir wollen den Sprach- und Entwicklungsstand aller Kinder spätestens im Alter von vier Jahren verbindlich erheben und dort gezielt fördern, wo es notwendig ist.

Zweitens. Wir wollen gerade auch Familien besser erreichen, deren Kinder bislang noch keine Kita besuchen. Dazu gehören auch Familien mit Einwanderungsgeschichte.

Drittens. Wir stärken gezielt Kitas, in denen besonders viele Kinder unter schwierigen Bedingungen aufwachsen. Denn die besten Bildungsangebote gehören dorthin, wo die Herausforderungen am größten sind. Darum ist auch der Sozialindex so wichtig, den wir im Programm mit eingebaut haben.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, der vorliegende Gesetzentwurf ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu mehr Bildungsgerechtigkeit in unserem Land. Wir werden nicht verhindern können, dass Kinder unter unterschiedlichen sozialen Bedingungen aufwachsen, aber wir können verhindern, dass daraus dauerhaft ungleiche Lebenschancen werden. Der Lebensweg eines Kindes darf nicht von seiner Herkunft oder dem Geldbeutel der Eltern vorgezeichnet sein. Jedes Kind muss die Chance bekommen, seine Talente zu entdecken, seine Fähigkeiten zu entfalten und seinen eigenen Weg zu gehen.