Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen

Gesellschaft und Teilhabe Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen

Gerade Geflüchtete brauchen eine angemessene gesundheitliche und psychosoziale Versorgung. Um ihnen diese bieten zu können, muss Deutschland noch einiges aufholen. 

Asylsuchende und Geflüchtete haben gemäß § 4 und § 6 des Asylbewerberleistungsgesetzes in den ersten 18 Monaten ihres Aufenthalts in Deutschland einen eingeschränkten Anspruch auf gesundheitliche Versorgung. Das heißt konkret: sie dürfen sich wegen akuter Schmerzzustände behandeln lassen und Leistungen erhalten, die Krankheiten und deren Folgen lindern oder heilen. Auch die Versorgung bei Schwangerschaft und Geburt sowie Impfungen stehen Geflüchteten offen.

Nachholbedarf

Nach Auffassung von Fachleuten ist das aktuelle Angebot jedoch unzureichend. Es könne zu medizinischer Unter-, Über- oder Fehlversorgung führen und bei Ärztinnen und Ärzten große Verunsicherung hervorrufen, was die zulässigen Behandlungen betrifft.

Dabei legt die EU-Aufnahmerichtlinie 2013/33/EU fest, dass bei besonders schutzbedürftigen Gruppen keine Leistungseinschränkungen der medizinischen Hilfe erlaubt sind und eine geeignete psychologische Betreuung gewährt werden muss. Die Richtlinie findet in der Praxis allerdings nicht ausreichend Anwendung.

Gesundheitskarte für Asylbewerber

Problematisch ist zudem die bisherige Praxis der Ausgabe eines Behandlungsscheins durch nicht-medizinisches Personal. Durch Änderungen im Fünften Buch Sozialgesetzbuch (SGB V) stellt das Asylverfahrensbeschleunigungsgesetz den Bundesländern frei, eine Gesundheitskarte für Asylbewerber einzuführen. Berlin, Bremen, Brandenburg, und Hamburg haben dies bereits 2005 beziehungsweise 2012 getan, Niedersachsen 2016. Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Thüringen zogen 2017 nach. Die Bundesländer schließen Rahmenvereinbarungen mit Krankenkassen. Kommunen und Landkreise entscheiden über die Umsetzung.

Psychosoziale Betreuung von Flüchtlingen

Ein besonderes Problemfeld ist die psychosoziale Versorgung von Flüchtlingen. Denn nach Einschätzung von Fachverbänden fehlen Behandlungsplätze und Sprachmittler, die auf die Zielgruppe eingestellt sind.

Stationäre und ambulante Einrichtungen, Initiativen und Vereine wollen diese Situation verbessern. Sie engagieren sich für den Auf- und Ausbau spezialisierter Angebote der psychosozialen Versorgung, die auf Flucht und Migration zugeschnitten sind. Entsprechende Praxisbeispiele stellt die Integrationsbeauftragte in ihrer Publikation Das kultursensible Krankenhaus (2015; neu ab 2021) vor.

Tatsächlich gibt es eine Reihe von Vereinen und Bündnissen, die sich hierzulande für eine bessere medizinische und psychosoziale Betreuung Geflüchteter einsetzen.

Handreichung Gesundheitsförderung bei Geflüchteten
Die Handreichung richtet sich an Fachkräfte, Entscheidungspersonen und Engagierte in der Gesundheitsförderung, die sich mehr Wissen zum Thema Fluchtmigration aneignen möchten und an solche in der Arbeit mit Geflüchteten, die sich mehr Wissen zum Thema Gesundheitsförderung aneignen möchten. Sie erhalten eine umfassenden Zusammenstellung von Grundlagenwissen zu Fluchtmigration und Gesundheitsförderung, Anleitungen zur Planung und Umsetzung von Maßnahmen sowie Beispielen guter Praxis entgegen.

SEGEMI e. V.
Der gemeinnützige Verein SEGEMI e.V.ist eine Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Seelischen Gesundheit von Migranten und Flüchtlingen. SEGEMI unterstützt Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung in Hamburg bei der psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung.

Die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (BAfF e. V.)
Die BafF ist der Dachverband der Behandlungszentren für Opfer von Menschenrechtsverletzungen und politischer Verfolgung. Die Arbeitsgemeinschaft publiziert Berichte zur psychosozialen Versorgung von Flüchtlingen und Folteropfern in Deutschland, erstellt Arbeitshilfen und setzt sich für die Verbesserung der psychosozialen Versorgung von Flüchtlingen in Deutschland ein.

Bündnis "Gesundheit für Alle"
Das Bündnis dient der Gesundheitsversorgung nicht oder unzureichend krankenversicherter Menschen in Deutschland. Die Mitglieder sind medizinisch tätige Institutionen, Praxen, Ambulanzen, Verbände, Vereine, Behörden und Versorgungseinrichtungen. Die Homepage bietet zielgruppengenaue Informationen und lokale Kontakte für Menschen mit nicht ausreichendem Krankenversicherungsschutz wie Asylsuchende, Menschen ohne Papiere, Arbeitslose und andere.