Themenforum Diversity in der Wirtschaft
Zweites Kernvorhaben

Nationaler Aktionsplan Integration  Themenforum Diversity in der Wirtschaft
Zweites Kernvorhaben

Die Studie „Kulturelle Vielfalt in Unternehmen“ des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) untersucht, wie Betriebe bei der Förderung kultureller Vielfalt aufgestellt sind, wie sie Menschen mit familiärer Einwanderungsgeschichte bei der betrieblichen Integration unterstützen und welche Erfahrungen sie dabei gesammelt haben.

In einer repräsentativen Unternehmensbefragung des KOFA (angesiedelt beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) wurde untersucht, inwieweit deutsche Unternehmen kulturelle Vielfalt im eigenen Unternehmen fördern, wie sie Menschen mit familiärer Einwanderungsgeschichte unterstützen und welche Erfahrungen sie mit der Beschäftigung von Menschen mit ausländischen Wurzeln sammeln konnten. Die Ergebnisse beruhen auf Angaben von 1.259 Unternehmen, welche im Sommer 2019 im Rahmen einer repräsentativen Online-Befragung (hochgerechnet auf alle Unternehmen in Deutschland) zum Thema „Diversity Management und Beschäftigung von Flüchtlingen“ befragt wurden. 

Zentrale Ergebnisse

Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen mit familiärer Einwanderungsgeschichte sind in deutschen Unternehmen eher die Regel als die Ausnahme. 55,7 Prozent der Unternehmen beschäftigen aktuell Menschen mit familiärer Einwanderungsgeschichte oder haben dies in den letzten drei Jahren getan.

Unternehmen, die Schwierigkeiten haben, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden, beschäftigen häufiger als nicht vom Fachkräftemangel betroffene Unternehmen Menschen mit familiärer Einwanderungsgeschichte (60,4 zu 36,9 Prozent). Mehr als jedes dritte Unternehmen (36 Prozent) gibt zudem an, dass Menschen mit familiärer Einwanderungsgeschichte dabei helfen, freie (Ausbildungs-) Stellen zu besetzen.

Unternehmen stellen gezielt Menschen mit familiärer Einwanderungsgeschichte ein, um gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen (54,3 Prozent) und sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren (50,5 Prozent). Auch geben knapp drei von zehn Unternehmen (29,2 Prozent) an, durch die Beschäftigung von Menschen mit familiärer Einwanderungsgeschichte bei der Ansprache internationaler Kunden zu profitieren.

Unternehmen würden gerne mehr Menschen mit familiärer Einwanderungsgeschichte einstellen, allerdings erhalten sie oftmals nicht genügend Bewerbungen (58,7 Prozent der Unternehmen stimmen dieser Aussage zu). Unternehmen, die bereits Erfahrung mit der Beschäftigung von Menschen mit familiärer Einwanderungsgeschichte haben, berichten seltener von Schwierigkeiten, geeignete Kandidatinnen und Kandidaten zu finden.

Bei jedem zweiten Unternehmen (52,1 Prozent) hemmen aufenthaltsrechtliche Restriktionen die Beschäftigung von Menschen mit familiärer Einwanderungsgeschichte. Drei von zehn Unternehmen (30,1 Prozent) – insbesondere Unternehmen ohne Erfahrung mit der Beschäftigung von Menschen mit familiärer Einwanderungsgeschichte – fehlt das Wissen, wie sie Menschen mit familiärer Einwanderungsgeschichte in ihr Unternehmen integrieren können.

Zwei von fünf Unternehmen (41,2 Prozent) haben bereits eine durch kulturelle Vielfalt geprägte Unternehmenskultur etabliert. Zudem fördern Unternehmen die kulturelle Vielfalt über die Bildung von kulturell gemischten Arbeitsteams (37,2 Prozent). Viele Unternehmen sind bereit, ihren Mitarbeitenden mit familiärer Einwanderungsgeschichte besondere Zugeständnisse zu machen, sie z.B. für religiöse Feierlichkeiten freizustellen, Gebetsräume einzurichten oder ein fleischloses Kantinenessen anzubieten (31,4 Prozent). 

Je größer ein Unternehmen ist, desto eher bietet es seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit familiärer Einwanderungsgeschichte Unterstützungsleistungen an. Generell werden Mitarbeitende mit familiärer Einwanderungsgeschichte am häufigsten durch Weiterbildungsmaßnahmen, Sprachförderangebote und der Förderung von informellen Begegnungen, wie zum Beispiel Teamevents, unterstützt. 

Große Unternehmen kennen Unterstützungsangebote häufiger und nutzen diese stärker als kleine und mittlere Unternehmen. Letztere benötigen eher Unterstützungs- und Beratungsangebote, insbesondere bei der Kontaktanbahnung zu Menschen mit familiärer Einwanderungsgeschichte sowie bei der Information zu den rechtlichen Rahmenbedingungen einer Beschäftigung. Etablierte Fachkräfteinitiativen bieten umfangreiches Informationsmaterial sowohl zur Fachkräftegewinnung, als auch zur Integration von Menschen mit familiärer Einwanderungsgeschichte und können kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit Rekrutierungsproblemen daher in mehrfacher Hinsicht gut unterstützen.

Allerdings zeigen die Ergebnisse der KOFA-Befragung auch, dass gerade die Fachkräfteinitiativen noch zu wenig bekannt sind und zu selten genutzt werden. Die Bekanntheit von etablierten Fachkräfteinitiativen sowie weiterer Unterstützungsangebote sollte daher weiter gesteigert werden. Außerdem ist zu prüfen, ob die Angebote bei den tatsächlichen Bedarfen ausreichend unterstützen, ob sie also passgenau für die Probleme von KMU zugeschnitten sind oder durch neue Formate wie Workshops oder Webinare ergänzt werden sollten.

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