Ausbildungschancen

Berufliche Bildung und Integration Ausbildungschancen

Auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben sind die Voraussetzungen nicht für alle gleich. Auf dem Weg zu einem guten Arbeitsplatz hapert es noch mit gleichen Teilhabechancen für Menschen mit familiärer Einwanderungsgeschichte.

Magdeburg (Sachsen-Anhalt): Studenten, darunter viele ausländische Hörer, sitzen am 06.11.2001 in einer Vorlesung an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg.

Studenten in einem Hörsaal der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg

Foto: picture-alliance / ZB

In der Berufswahl und in Bewerbungsprozessen verhalten sich Jugendliche mit und ohne familiäre Einwanderungsgeschichte im Wesentlichen gleich. Für viele junge Menschen mit familiärer Einwanderungsgeschichte stellt der Übergang von der Schule in die Ausbildung weiterhin eine besondere Herausforderung dar.

Der Zugang zu einer dualen Ausbildung hängt insbesondere vom erreichten Schulabschluss und den Noten des Abschlusszeugnisses ab.
Gerade auch weil die Corona-Pandemie hier hart getroffen hat, helfen wir als Bundesregierung in der Allianz für Aus- und Weiterbildung dabei, begonnene Berufsausbildungen erfolgreich zum Abschluss zu bringen und neue Ausbildungsverträge zu schließen.

Familiäre Einwanderungsgeschichte hat Einfluss auf Ausbildungschancen

Jugendliche mit familiärer Einwanderungsgeschichte erreichen aufgrund ihrer sozioökonomisch ungünstigeren Ausgangslage oft deutlich geringere schulische Qualifikationen als ihre Altersgenossen ohne familiäre Einwanderungsgeschichte. Das erschwert ihren Übergang in eine Ausbildung erheblich.

So haben sie laut aktueller Bewerberbefragung  von Bundesagentur für Arbeit (BA) und Bundesinstitut für Berufliche Bildung (BiBB)   insgesamt deutlich schlechtere Chancen, nach Abschluss der Schule einen Ausbildungsplatz zu finden als Jugendliche ohne familiäre Einwanderungsgeschichte. Allerdings erscheinen selbst unter Berücksichtigung des Schulabschlusses die Chancen von Jugendlichen mit familiärer Einwanderungsgeschichte, direkt in eine betriebliche Ausbildung zu münden, geringer.

Laut Mikrozensus ist der Anteil an Personen mit familiärer Einwanderungsgeschichte ohne Berufsabschluss leicht rückläufig. Allerdings ist der Anteil der jungen Erwachsenen ohne Berufsabschluss mit familiärer Einwanderungsgeschichte mehr als dreimal so hoch wie der junger Erwachsener ohne familiäre Einwanderungsgeschichte.

Die Ausbildungsbeteiligung junger Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit fällt laut Daten der Berufsbildungsstatistik seit Jahren nur etwa halb so hoch aus wie diejenige junger Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit.

Gründe für den schwierigen Ausbildungszugang

Experten stellen fest, dass die geringere Ausbildungsbeteiligung von Jugendlichen mit familiärer Einwanderungsgeschichte nicht ausschließlich mit Faktoren wie Schulabschluss, Wohnort oder Elternhaus erklärt werden kann. Gründe für den schwierigeren Zugang von ausbildungsinteressierten Jugendlichen mit familiärer Einwanderungsgeschichte zu betrieblicher Ausbildung können auch in den Auswahlprozessen der Ausbildungsbetriebe liegen.

Gemäß der sogenannten Signaltheorie greifen Betriebe bei der Bewertung von Zuverlässigkeit und „Passung“ der Bewerberinnen und Bewerber neben den schulischen Voraussetzungen auch auf zuschreibende Merkmale wie die familiäre Einwanderungsgeschichte zurück. So kann ein niedriger Schulabschluss zum Beispiel mit weniger Leistungsfähigkeit und Motivation in Verbindung gebracht werden.

Besonders problematisch wird es, wenn diese Eigenschaften der gesamten Gruppe der Jugendlichen mit familiärer Einwanderungsgeschichte zugeschrieben werden. Der deutlich schwierigere Zugang zu betrieblicher Ausbildung erklärt unter anderem den überproportionalen Anteil von Jugendlichen mit familiärer Einwanderungsgeschichte im Übergangsbereich zwischen Schule und Beruf.

Besseres Matching von Bewerbern und Ausbildung notwendig

Eine wesentliche Voraussetzung für die Erhöhung der Ausbildungsbeteiligung von Jugendlichen mit familiärer Einwanderungsgeschichte ist ein besseres Matching von Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt, das gezielte Ausschöpfen von Ausbildungspotenzialen und eine interkulturelle Öffnung von Auswahlprozessen.

Alle relevanten Akteure tragen auch die Verantwortung, Flüchtlingen mit Bleibeperspektive Lebens- und Einwanderungsperspektiven zu eröffnen. In diesem längerfristig angelegten Prozess kommt der Bildungs- und Ausbildungsbeteiligung aller geflüchteten Kinder und Jugendlichen eine zentrale Rolle zu.

Drittstaatsangehörige

Drittstaatsangehörige können grundsätzlich eine Aufenthaltserlaubnis zur Aufnahme einer dualen Ausbildung erhalten. In einigen Fällen kann die Aufenthaltsgenehmigung auch schon für die Aufnahme einer qualifizierten schulischen Berufsausbildung genehmigt werden. Bedingung für die Aufnahme einer dualen Ausbildung ist, dass die Bundesagentur für Arbeit zugestimmt hat, soweit es sich nicht um eine zustimmungsfreie Beschäftigung handelt.

„Allianz für Aus- und Weiterbildung“
Die Integrationsbeauftragte ist Mitglied der Allianz für Aus- und Weiterbildung. Diese möchte die duale Berufsausbildung in Deutschland weiter verbessern und ihre Bedeutung für die Karriere noch deutlicher machen. Um die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die duale Ausbildung abzufedern, unterstützen die Partner Betriebe mit verschiedenen Maßnahmen dabei, Ausbildungsstellen zu schaffen oder zu erhalten.
Die Partner der Allianz für Aus- und Weiterbildung bieten auch Informationen speziell für Menschen mit familiärer Einwanderungsgeschichte und Flüchtlinge an.

„Abschluss und Anschluss – Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss“
Gemeinsam mit den Ländern, dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie der Bundesagentur für Arbeit koordiniert das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Initiative Abschluss und Anschluss – Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss  . Dabei geht es vor allem darum, den Bildungserfolgs junger Menschen zu sichern und sukzessive eine strukturierte Förderpolitik von Bund und Ländern im Übergangsbereich zu schaffen.

Praxis-Leitfaden „Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt!“
Wer darf arbeiten? Welche Einstiegsmodelle und Qualifizierungsmaßnahmen sind für Flüchtlinge möglich? Die Charta der Vielfalt beantwortet in ihrem Praxis-Leitfaden Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt!  diese Fragen. Die Broschüre berücksichtigt die neuesten Änderungen des Asylpakets II und wird kostenfrei an Interessierte verschickt.