Integrationsbeauftragte

Journalistenprojekt "Wir sind viele"

Journalisten im Tandem

Medienschaffende aus Deutschland erzählen gemeinsam mit geflüchteten Journalistinnen ihre Geschichten. Das von der Beauftragten für Migration, Flüchtlinge und Integration geförderte Projekt "Wir sind viele" zeigt die Leistung von Geflüchteten und macht bürgerschaftliches Engagement sichtbar.

Zwei Journalistinnen im Gespräch Fotografin Inga Alice Lauenroth und Journalistin Hiba Obaid Quelle: Alexander Janetzko

Die zwei Journalistinnen Hiba Obaid aus Aleppo und Inga Alice Lauenroth aus Berlin waren das erste Tandem des Projekts "Wir sind viele". Gemeinsam recherchierten sie die Geschichte der jungen Englischlehrerin Alaa aus Syrien, die sich alleine auf den Weg nach Deutschland machte. Veröffentlicht wurde das Porträt im Herbst 2017 im Potsdamer Lokalteil der Märkischen Allgemeinen Zeitung (siehe Download).

Wie eine syrische Englischlehrerin an eine deutsche Grundschule kam

Zwei Journalistinnen "In Syrien werden die Texte so abgeändert, wie sie den Politikern passen" Fotografin Inga Alice Lauenroth und Journalistin Hiba Obaid Quelle: Alexander Janetzko

Die Journalistinnen Obaid und Lauenroth trafen eine zielstrebige, furchtlose Frau und waren gleichermaßen fasziniert von ihrer Fluchtgeschichte und ihrer Leistung in Deutschland. Die syrische Lehrerin Alaa hatte ihr Anglistikstudium an der Universität Aleppo abgeschlossen, während draußen die Bomben fielen. Trotz Warnungen der Familie floh sie nach Deutschland und absolvierte in Potsdam das Refugee Teacher Program. Mit diesem Abschluss kann die Syrerin nun an deutschen Grundschulen unterrichten. 

Zielstrebigkeit und Energie

Auch die Journalistin Hiba Obaid kommt aus Aleppo, die Geschichte der jungen Lehrerin, die sie gemeinsam mit der Fotografin Inga Alice Lauenroth porträtierte, kam ihr bekannt vor. Lauenroth bemerkte: „Hiba Obaid hatte sofort Zugang zu unserer Protagonistin. Ohne viel fragen zu müssen, erzählte Alaa ihre Geschichte von der Flucht aus dem Bürgerkrieg und ihrer Integration in Deutschland.“ Die Berliner Fotografin war von der Zielstrebigkeit und Kraft der beiden Frauen beeindruckt. „Ich bin mit der Selbstverständlichkeit aufgewachsen, alles machen zu können. Das birgt manchmal auch die Gefahr, sich zu verlieren. Der enge Kontakt mit den beiden geflüchteten Frauen hat mir gezeigt, wieviel Elan und Energie Menschen aufbringen, um in Freiheit und Sicherheit zu leben.“

In Syrien wurden journalistische Texte so geändert, dass sie politisch passten

Für die Journalistin Hiba Obaid war die Zusammenarbeit im Tandem bei „Wir machen das“ ihr Einstieg in den deutschen Journalismus. In Syrien hatte sie bereits einige Jahre als Reporterin gearbeitet, dennoch ist für sie in Deutschland vieles grundlegend anders. „Hier schreibe ich einen Artikel und am nächsten Tag steht er genauso in der Zeitung. In Syrien wurden die Texte so abgeändert, dass sie den Politikern passten. In Deutschland gibt es echte Pressefreiheit.“

Das Projekt:
Seit 2017 fördert die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Integration und Flüchtlinge die Initiative „Wir sind viele“. Insgesamt sind 16 Beiträge von Journalistentandems geplant. Hiba Obaid und Inga Alice Lauenroth arbeiten momentan an einer weiteren Geschichte aus Brandenburg.

Links:
Zum Projekt Wir machen das jetzt und Wir sind viele.

Das Journalistentandem:
Inga Alice Lauenroth (geb. 1979 in Berlin) arbeitet als freie Fotografin.
Hiba Obaid (geb. 1990 in Aleppo) kam 2016 nach Deutschland. Sie arbeitet für verschiedene Medien (u.a. Tagesspiegel, Deutschlandfunk Kultur, Glück FM) und absolviert derzeit ein Integrationsvolontariat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) bei dem crossmedialen Community-Sender ALEX Berlin.

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