Integrationsbeauftragte

OECD-Studie zur Integration von Zuwanderern

„Zusammen wachsen“: Deutliche Fortschritte, aber weitere Anstrengungen nötig

Wie steht es um die Integration in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern in Europa? Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bilanziert in einer gemeinsamen Studie mit der Europäischen Kommission: Es gibt Fortschritte, aber Herausforderungen bleiben bestehen.

Gemeinsam mit dem OECD-Migrationsexperten Thomas Liebig stellte die Integrationsbeauftragte, Staatsministerin Annette Widmann-Mauz, die Deutschlandauswertung der OECD-EU-Studie zur Integration von Zuwanderern am 16. Januar 2019 in Berlin vor.

Staatsministerin Annette Widmann-Mauz sieht deutliche Verbesserungen bei der Integration von Zugewanderten, fordert zugleich aber weitere Anstrengungen besonders im Arbeits- und Bildungsbereich: „Wir müssen bei der Anerkennung von Berufsabschlüssen besser werden und Frauen stärken, ihre Rechte besser wahrzunehmen. Wichtig ist Sprachförderung von Anfang an in Kitas und Schulen, damit alle Kinder faire Chancen haben. Und auch die interkulturelle Öffnung des öffentlichen Dienstes muss entschieden vorangetrieben werden."

OECD-Studie „Integration von Zuwanderern: Indikatoren 2018“

Die Ergebnisse der OECD-Studie „Integration von Zuwanderern: Indikatoren 2018“ zeigen: Migrantinnen und Migranten und ihre Kinder sind heute in Deutschland wirtschaftlich und sozial deutlich besser integriert als noch vor zehn Jahren. Dies gilt sowohl für die Erwerbssituation, den Bildungserfolg und das Armutsrisiko als auch für die Erfahrung von Diskriminierung. Dennoch bleiben Herausforderungen wie der Zugang zu qualifizierten Jobs, die Teilhabe der Frauen, eine noch bessere Integration durch Bildung oder der Zugang zum öffentlichen Dienst. Gleichzeitig sind heute in Deutschland mehr Menschen der Meinung, dass das Land von Migration profitiert als noch zu Beginn des Jahrhunderts.

Thomas Liebig präsentiert die Studie OECD-Migrationsexperte Thomas Liebig Quelle: Integrationsbeauftragte / Lopes

Integration durch Arbeit und Bildung

Die Integrationsbeauftragte setzt sich für die Integration von Zugewanderten durch Arbeit und Bildung ein. Neben der besseren und schnelleren Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse ist es wichtig, die Gruppe der zugewanderten Frauen in den Blick zu nehmen. Frauen müssen darin bestärkt werden, ihre Rechte besser wahrzunehmen und sich in die Gesellschaft einzubringen. Das kann z.B. durch spezielle Integrationskurse für Frauen und gezielte Unterstützung beim Weg auf den Arbeitsmarkt gelingen. Auch der Nationale Aktionsplan Integration der Bundesregierung widmet sich den Bedürfnissen der Frauen.

Nachholbedarf im öffentlichen Dienst

Zugewanderte oder Menschen mit Migrationshintergrund sind im öffentlichen Dienst deutlich unterrepräsentiert. Das bestätigen auch die Ergebnisse der OECD-Studie. Deshalb setzt sich Staatsministerin Widmann-Mauz mit einem Forschungsprojekt dafür ein, dass interkulturelle Kompetenzen im öffentlichen Dienst noch stärker als Mehrwert erkannt werden. Vielfalt soll sich auch in der Belegschaft widerspiegeln.

Thomas Liebig und Annette Widmann-Mauz im Gespräch OECD-Migrationsexperte Thomas Liebig und Staatsministerin Annette Widmann-Mauz Quelle: Integrationsbeauftragte / Lopes

Gute Bildung und gleiche Chancen für Zuwanderer

Trotz beträchtlicher Anstrengungen stehen Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund in Deutschland im Vergleich noch immer vor größeren Herausforderungen als andere. Weil gute Bildung und gleiche Chancen so entscheidend sind, hat der Bildungsbereich eine klare Priorität im Nationalen Aktionsplan Integration der Integrationsbeauftragten. Zudem macht sie im 15-Punkte-Plan für eine bessere Integration durch Bildung konkrete Vorschläge für die frühkindliche und schulische Bildung.

Die wichtigsten Ergebnisse der OECD-Studie auf einen Blick:

  • Der Studie zufolge sind knapp 13 Millionen Menschen, die Deutschland leben, im Ausland geboren (Daten für 2017). Das entspricht rund 16 Prozent der Gesamtbevölkerung.
  • Besonders positiv hat sich in den vergangenen zehn Jahren die Erwerbssituation für Zugewanderte entwickelt: Die Beschäftigungsquote ist zwischen 2006 und 2017 von 59 Prozent auf über 67 Prozent gestiegen.
  • Die Arbeitslosenquote aller im Ausland Geborenen hat sich in Deutschland zwischen 2006 und 2017 mehr als halbiert und lag 2017 bei 6,9 Prozent.
  • Bei Zuwanderinnen ist der Beschäftigungsabstand zur im Inland geborenen Bevölkerung größer als bei Männern. Fast jede dritte erwerbstätige Migrantin arbeitet in einem Job, der nur geringe Qualifikationen erfordert.
  • Bei der Bildung gibt es laut OECD einen positiven Trend: In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Lesekompetenz der 15-jährigen deutlich und im OECD-Vergleich überdurchschnittlich verbessert.
  • Der hohe Anteil Geringqualifizierter unter den Kindern der Zugewanderten bleibt eine Herausforderung: Rund ein Viertel der Kinder hat weder Abitur noch eine abgeschlossene Berufsausbildung erreicht. Deutschland liegt hier deutlich über dem EU und OECD-Schnitt.
  • Nur 8,5 Prozent der jungen in Deutschland geborenen Kinder von Zugewanderten sind im öffentlichen Dienst beschäftigt.
  • Zugewanderte leben auch in Deutschland häufiger in relativer Armut als im Inland geborene Menschen (21,7 Prozent gegenüber 16,4 Prozent). In den meisten anderen OECD-Ländern ist das Armutsrisiko aber deutlich stärker bei den Zugewanderten konzentriert.
  • Zugewanderte hierzulande sehen sich selbst seltener als ein Ziel von Diskriminierung (11 Prozent) als dies EU-weit der Fall ist (14 Prozent) und auch seltener als noch vor zehn Jahren (-4 Prozentpunkte).
  • Die Einstellungen von in Deutschland Geborenen gegenüber Migrantinnen und Migranten sind positiver als noch vor 10 Jahren und positiver als im EU-Schnitt.

Mittwoch, 16. Januar 2019