Integrationsbeauftragte

Gesundheit und Integration

Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen

Asylsuchende und Geflüchtete haben gemäß § 4 und § 6 des Asylbewerberleistungsgesetzes in den ersten 15 Monaten des Aufenthalts in Deutschland einen eingeschränkten Anspruch auf gesundheitliche Versorgung. Es dürfen akute Schmerzzustände behandelt werden sowie sonstige zur Genesung, zur Besserung oder zur Linderung von Krankheiten und Krankheitsfolgen erforderliche Leistungen gewährt werden. Auch die Versorgung bei Schwangerschaft und Geburt sowie Impfungen gehören dazu. Dies ist nach Auffassung von Fachleuten unzureichend und kann zu medizinischer Unter-, Über- oder Fehlversorgung führen sowie zu großer Verunsicherung bei Ärztinnen und Ärzten über die zulässigen Behandlungen.

Die EU-Aufnahmerichtlinie 2013/33/EU legt fest, dass bei besonders schutzbedürftigen Gruppen keine Leistungseinschränkungen der medizinischen Hilfe erlaubt sind und eine geeignete psychologische Betreuung gewährt werden muss. Die Richtlinie findet in der Praxis allerdings nicht ausreichend Anwendung.

Problematisch ist zudem die bisherige Praxis der Ausgabe eines Behandlungsscheins durch nicht-medizinisches Personal. Mit dem Asylverfahrensbeschleunigungsgesetz wird es durch Änderungen im Fünften Buch Sozialgesetzbuch (SGB V) den Bundesländern freigestellt, eine Gesundheitskarte für Asylbewerber einzuführen. Bremen und Hamburg haben dies bereits 2005 beziehungsweise 2012 getan. Wo die Gesundheitskarte noch eingeführt wurde, zeigt die Erhebung der Bertelsmann Stiftung "Gesundheitskarte und psychotherapeutische Versorgung. Ein Sachstandsbericht." - Autor: Marcus Wächter. August 2016

Die psychosoziale Versorgung von Flüchtlingen stellt ein besonderes Problemfeld dar. Es fehlen – nach Einschätzung von Fachverbänden – Behandlungsplätze und Sprachmittler. Die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (BAfF) stellte 2015 fest, dass an 23 psychosozialen Zentren der BAfF über 1300 hilfesuchende Flüchtlinge abgewiesen werden mussten.

Bündnis "Gesundheit für Alle"
Das Bündnis „Gesundheit für Alle“ ist ein Zusammenschluss, der der Gesundheitsversorgung nicht oder unzureichend krankenversicherter Menschen in Deutschland dient. Die Mitglieder sind medizinisch tätige Institutionen, Praxen, Ambulanzen, Verbände, Vereine, Behörden und Versorgungseinrichtungen. Die Homepage bietet zielgruppengenaue Informationen und lokale Kontakte für Menschen mit nicht ausreichendem Krankenversicherungsschutz wie Asylsuchende, Menschen ohne Papiere, Arbeitslose und andere.

Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (BAfF e.V.)
Die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (BAfF e.V.) ist der Dachverband der Behandlungszentren für Opfer von Menschenrechtsverletzungen und politischer Verfolgung. Die Arbeitsgemeinschaft erstellt und publiziert Berichte zur psychosozialen Versorgung von Flüchtlingen und Folteropfern in Deutschland, erstellt Arbeitshilfen und setzt sich für die Verbesserung der psychosozialen Versorgung von Flüchtlingen in Deutschland ein.