Integrationsbeauftragte

Berufliche Bildung und Integration

Ausbildungschancen

Auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben sind die Voraussetzungen nicht für alle gleich. Auf dem Weg zu einem guten Arbeitsplatz hapert es noch mit gleichen Teilhabechancen für Menschen mit Migrationshintergrund.

In der Berufswahl und in Bewerbungsprozessen verhalten sich Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund im Wesentlichen gleich. Für viele junge Menschen mit Migrationshintergrund stellt der Übergang von der Schule in die Ausbildung weiterhin eine besondere Herausforderung dar. Der Zugang zu einer dualen Ausbildung hängt insbesondere vom erreichten Schulabschluss und den Noten des Abschlusszeugnisses ab.

Migrationshintergrund hat Einfluss auf Ausbildungschancen

Jugendliche mit Migrationshintergrund erreichen aufgrund ihrer sozioökonomisch ungünstigeren Ausgangslage oft deutlich geringere schulische Qualifikationen als ihre Altersgenossen ohne Migrationshintergrund. Das erschwert ihren Übergang in eine Ausbildung erheblich. So haben sie laut aktueller Bewerberbefragung von BA/BBIB insgesamt deutlich schlechtere Chancen, nach Abschluss der Schule einen Ausbildungsplatz zu finden als Jugendliche ohne Migrationshintergrund. Allerdings erscheinen selbst unter Berücksichtigung des Schulabschlusses die Chancen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, direkt in eine betriebliche Ausbildung zu münden, geringer.

Laut Mikrozensus ist der Anteil an Personen mit Migrationshintergrund ohne Berufsabschluss leicht rückläufig. Allerdings ist der Anteil der jungen Erwachsenen ohne Berufsabschluss mit Migrationshintergrund mehr als dreimal so hoch wie der junger Erwachsener ohne Migrationshintergrund. Die Ausbildungsbeteiligung junger Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit fällt laut Daten der Berufsbildungsstatistik seit Jahren nur etwa halb so hoch aus wie diejenige junger Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit.

Ausbildungsanfängerquote nach Geschlecht und Nationalität für Deutschland sowie Ost- und Westdeutschland 2009 bis 2014 Ausbildungsanfängerquote nach Geschlecht und Nationalität für Deutschland sowie Ost- und Westdeutschland 2009 bis 2014 Ausbildungsanfängerquote nach Geschlecht und Nationalität für Deutschland sowie Ost- und Westdeutschland 2009 bis 2014 Quelle: „Datenbank Auszubildende“ des Bundesinstituts für Berufsbildung

Gründe für den schwierigeren Ausbildungszugang

Experten stellen fest, dass die geringere Ausbildungsbeteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund nicht ausschließlich mit Faktoren wie Schulabschluss, Wohnort oder Elternhaus erklärt werden kann. Gründe für den schwierigeren Zugang von ausbildungsinteressierten Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu betrieblicher Ausbildung können auch in den Auswahlprozessen der Ausbildungsbetriebe liegen. Gemäß der sogenannten Signaltheorie greifen Betriebe bei der Bewertung von Zuverlässigkeit und „Passung“ der Bewerberinnen und Bewerber neben den schulischen Voraussetzungen auch auf zuschreibende Merkmale wie den Migrationshintergrund zurück. So kann ein niedriger Schulabschluss zum Beispiel mit weniger Leistungsfähigkeit und Motivation in Verbindung gebracht werden. Besonders problematisch wird es, wenn diese Eigenschaften der gesamten Gruppe der Jugendlichen mit Migrationshintergrund zugeschrieben werden. Der deutlich schwierigere Zugang zu betrieblicher Ausbildung erklärt unter anderem den überproportionalen Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Übergangsbereich zwischen Schule und Beruf.

Besseres Matching von Bewerbern und Ausbildung notwendig

Eine wesentliche Voraussetzung für die Erhöhung der Ausbildungsbeteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist ein besseres Matching von Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt, das gezielte Ausschöpfen von Ausbildungspotenzialen und eine interkulturelle Öffnung von Auswahlprozessen.

Alle relevanten Akteure tragen auch die Verantwortung, Flüchtlingen mit Bleibeperspektive Lebens- und Einwanderungsperspektiven zu eröffnen. In diesem längerfristig angelegten Prozess kommt der Bildungs- und Ausbildungsbeteiligung aller geflüchteten Kinder und Jugendlichen eine zentrale Rolle zu.

Drittstaatsangehörige

Drittstaatsangehörige können grundsätzlich eine Aufenthaltserlaubnis zur Aufnahme einer dualen Ausbildung erhalten. In einigen Fällen kann die Aufenthaltsgenehmigung auch schon für die Aufnahme einer qualifizierten schulischen Berufsausbildung genehmigt werden. Bedingung für die Aufnahme einer dualen Ausbildung ist, dass die Bundesagentur für Arbeit zugestimmt hat, soweit es sich nicht um eine zustimmungsfreie Beschäftigung handelt.

„Allianz für Aus- und Weiterbildung“
Die Beauftragte ist Mitglied der Allianz für Aus- und Weiterbildung. Die Allianz Das gemeinsame Anliegen der „Allianz“-Partner ist es, die duale Berufsausbildung in Deutschland weiter zu verbessern und ihre Bedeutung und die Chancen für Karriere und qualifizierte Beschäftigung noch deutlicher zu machen.

Die Allianz für Aus- und Weiterbildung bietet auch Informationen speziell für Menschen mit Migrationshintergrund und Flüchtlinge an.

„Abschluss und Anschluss – Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss“
Gemeinsam mit den Ländern, dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales und der Bundesagentur für Arbeit führt das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Initiative „Abschluss und Anschluss – Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss“ durch. Die Ziele der Initiative sind die präventive und ganzheitliche Sicherung des Bildungserfolgs junger Menschen und die sukzessive Schaffung einer strukturierten und kohärenten Förderpolitik von Bund und Ländern im Übergangsbereich.

Praxis-Leitfaden „Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt!“
Wer darf arbeiten? Welche Einstiegsmodelle und Qualifizierungsmaßnahmen sind für Flüchtlinge möglich? Die Charta der Vielfalt beantwortet in ihrem Praxis-Leitfaden „Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt!“ diese Fragen. Die Broschüre berücksichtigt die neuesten Änderungen des Asylpakets II und wird kostenfrei an Interessierte verschickt.