Integrationsbeauftragte

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Kinder und Jugendliche haben spezielle Bedürfnisse und Rechte

Auf der Flucht und in Deutschland sind unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (umF) erheblichen Gefahren ausgesetzt und werden vermehrt Opfer von Menschenhandel und krimineller oder sexueller Ausbeutung. Unbegleitete Kinder und Jugendliche, die ohne ihre Erziehungsberechtigten nach Deutschland kommen, sind eine Personengruppe mit speziellen Bedürfnissen und Rechtsansprüchen.

Fluchtmotive

Die Motive für das Verlassen des Herkunftsstaates sind vielfältig. Oftmals machen sich Familien zunächst zusammen auf den Weg, verlieren sich dann jedoch durch die Umstände der Flucht aus den Augen oder werden aufgrund von Schleuserstrategien voneinander getrennt. Zu den Fluchtgründen zählen unter anderem drohende Zwangsrekrutierung als Kindersoldat, Gefahr von Entführung, drohende Zwangsverheiratung oder auch Genitalverstümmelung. Zudem können familiäre Lebenssituationen im Herkunfts- oder Erstaufnahmestaat dazu führen, dass Minderjährige diesen alleine verlassen müssen.

Das Jugendamt übernimmt zunächst Obhut

In Deutschland unterliegen minderjährige Drittstaatsangehörige sowohl dem System des Ausländerrechts (beziehungsweise des Asyl- und Aufenthaltsrechts) als auch dem System des Kinder- und Jugendhilferechts, geregelt im Achten Sozialgesetzbuch (SGB VIII).

Nach ihrer Einreise müssen unbegleitete Minderjährige als erstes nach den Regeln des SGB VIII durch das Jugendamt in Obhut genommen und in einer geeigneten Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe untergebracht werden. Im Rahmen eines Ersteinschätzungsverfahrens wird binnen der ersten sieben Werktage unter anderem das Alter, der Gesundheitszustand und die Möglichkeit einer Familienzusammenführung mit in Deutschland lebenden Verwandten geprüft. Dies erfolgt unter anderem zur Klärung der Frage, ob das bundesweite Verteilungsverfahren durchgeführt wird oder ob eine Verteilung ausgeschlossen ist.

Nach der Verteilung ist das Jugendamt, dem die Minderjährigen zugewiesen wurden für deren weitere Betreuung, gegebenenfalls die Zusammenführung mit der Familie oder Verwandten sowie für die Beantragung der Vormundschaft zuständig. Die Vormundschaft besteht in der Regel bis zur Volljährigkeit und wird von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Jugendamts, Verwandten oder sonstigen ehrenamtlichen Personen übernommen.

Alle Minderjährigen müssen, wie auch erwachsene Drittstaatsangehörige, ein asyl- und/ oder aufenthaltsrechtliches Verfahren durchlaufen. Bis zum Zeitpunkt der Vormundbestellung ist das Jugendamt im Rahmen der sogenannten „Notvertretung“ berechtigt und verpflichtet, alle Rechtshandlungen vorzunehmen, die zum Wohl des Kindes oder Jugendlichen notwendig sind.

Den Asylantrag stellen

Dazu zählt unter anderem eine Antragsstellung auf Asyl beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Der Asylantrag kann formlos gestellt werden. Anders als bei den meisten anderen Asylsuchenden sollte der Antrag nicht in einer BAMF-Außenstelle eingehen, sondern schriftlich bei der Zentrale des BAMF in Nürnberg. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge dürfen nicht in Aufnahmeeinrichtungen im Sinne des Asylgesetzes untergebracht werden. Sie leben meistens mit anderen deutschen und ausländischen Kindern und Jugendlichen in Jugendhilfeeinrichtungen oder Wohngemeinschaften, manchmal auch in Pflegefamilien.