Sie kamen mit einem Koffer – und haben unser Land stark gemacht

Festakt 60 Jahre Anwerbeabkommen Sie kamen mit einem Koffer – und haben unser Land stark gemacht

Bundeskanzlerin Merkel und Integrationsstaatsministerin Widmann-Mauz haben bei einem Festakt die Lebensleistung der Gastarbeiter und Vertragsarbeiterinnen für unser Land gewürdigt

gehen im Trio zum Sitzungssaal

von rechts nach links: Vorsitzender des Stiftungsrates der Deutschlandstiftung Integration, Bundespräsident a.D. Christian Wulff, Bundeskanzerin Dr. Angela Merkel, Integrationsstaatsministerin Annette Widmann-Mauz

Foto: Bundesregierung / Jesco Denzel

Es ist eine Erfolgsgeschichte: Seit 1955 kamen 14 Millionen Frauen und Männer als Gastarbeiter oder Vertragsarbeiterinnen nach Deutschland. Sie kamen aus Staaten, mit denen die Bundesrepublik und die DDR ab den 1950er Jahren Anwerbeabkommen geschlossen hatten.

Integrationsstaatsministerin Annette Widmann-Mauz sagte beim Festakt im Bundeskanzleramt: „Die Frauen und Männer, die nur mit einem Koffer kamen, haben hart gearbeitet und mit dazu beigetragen, dass Deutschland heute ein wirtschaftlich starkes Land in der Mitte Europas ist. Dafür stehen viele Unternehmenserfolge in unserem Land. Made in Germany verdankt seinen guten Ruf auch den sogenannten Gastarbeitern der ersten Stunde. Dieser Teil deutscher Geschichte gehört in das kollektive Gedächtnis unseres Landes, in die Museen, in den Unterricht an jeder Schule.“ 

Aus der Geschichte lernen, damit heute alle teilhaben und teilnehmen

Nicht nur die Geschichte, auch die Gegenwart stand beim Festakt im Fokus. Dazu Integrationsstaatsministerin Widmann-Mauz: „Wir müssen aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Es geht heute um Integration von Anfang an: mit Deutschlernen, Wertevermittlung, bester frühkindlicher und schulischer Bildung und guten Wegen in den Arbeitsmarkt. Das sorgt für ein Leben auf eigenen Beinen, stärkt den Zusammenhalt und unsere Wirtschaft. Wir müssen dafür sorgen, dass alle ihre Fähigkeiten einbringen können und das auch tun.“

Gruppenbild

Die Preisträgerinnen und Preisträger

Foto: Bundesregierung / Jesco Denzel

Verleihung des Talismans der Deutschlandstiftung Integration (DSI)

Beim Festakt wurde der Talisman für gesellschaftlichen Zusammenhalt der DSI verliehen. Vier ehemalige Gastarbeiter und Vertragsarbeiterinnen erhielten im Beisein ihrer Kinder den Talisman für ihre Lebensleistung. Sie wurden stellvertretend für viele Millionen Menschen geehrt, die mit ihrem Beitrag der nächsten Generation erfolgreiche Lebenswege in unserem Land ermöglicht haben. Den Talisman erhielten:

  1. Frau Zeynep Gürsoy, eingewandert aus der Türkei. Im Beisein ihrer Tochter Dr. Dilek Gürsoy, sie ist Herzchirurgin.
  2. Frau Anka Ljubek, eingewandert aus Kroatien. Im Beisein ihres Sohnes Carlo Ljubek, er ist Schauspieler.
  3. Frau Yang-Hee Kim, eingewandert aus Korea. Im Beisein ihres Sohnes Min-Sung Sean Kim, er ist Unternehmer, betreut Start-ups.
  4. Herr Hoai Nam Duong, eingewandert aus Vietnam. Im Beisein seiner Tochter Mai Duong Kieu, sie ist Schauspielerin.

Die Abkommen seit 1955

Die Bundesrepublik warb Frauen und Männer aus:

  • Italien (1955)
  • Spanien, Griechenland (1960)
  • Türkei (1961)
  • Marokko, Südkorea (1963)
  • Portugal (1964)
  • Tunesien (1965)
  • Jugoslawien (1968)

Die DDR warb Frauen und Männer aus:

  • Polen (1965)
  • Ungarn (1967)
  • Mosambik (1979)
  • Vietnam (1980)

Viele Gastarbeiter und Vertragsarbeiterinnen gingen nach wenigen Jahren und getaner Arbeit zurück in ihr Geburtsland. Aber rund drei Millionen Menschen entschieden sich, dauerhaft zu bleiben, gründeten Familien und fanden hier ihre zweite Heimat. Auch deshalb hat heute jede und jeder Vierte in Deutschland eine familiäre Einwanderungsgeschichte – rund 21 Millionen Menschen.