Integrationsbeauftragte

Nach dem Abstammungsprinzip bestimmt sich die Staatsangehörigkeit eines Kindes nach der der Eltern: Ein Kind wird mit der Geburt Deutsche oder Deutscher, wenn die Mutter oder der Vater oder beide deutsche Staatsbürger sind. Besitzt nur der Vater die deutsche Staatsangehörigkeit und ist er nicht mit der Mutter verheiratet, ist eine nach deutschen Gesetzen wirksame Anerkennung oder Feststellung der Vaterschaft erforderlich.

Ein solches Verfahren muss bis zum 23. Geburtstag des Kindes eingeleitet sein. Die Staatsangehörigkeit des anderen Elternteils spielt für den Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit keine Rolle. Allerdings wird das Kind in vielen Fällen mit der Geburt zugleich nach dem Abstammungsprinzip die ausländische Staatsangehörigkeit des anderen Elternteils erwerben.

Das Kind besitzt dann mehrere Staatsangehörigkeiten. Es entsteht Mehrstaatigkeit. Das Kind ist unabhängig von der Mehrstaatigkeit ohne Wenn und Aber auf Dauer deutscher Staatsbürger. Es kann daher nach deutschem Recht auf Dauer auch die andere Staatsangehörigkeit behalten.

Ergänzend zum Abstammungsprinzip gilt in Deutschland seit dem 1. Januar 2000 auch das Geburtsortsprinzip (ius soli). Danach bestimmt nicht allein die Nationalität der Eltern eines Kindes seine Staatsangehörigkeit, sondern auch der Geburtsort. Wenn beide Elternteile ausschließlich ausländische Staatsangehörigkeiten besitzen, kann das Kind trotzdem auf Grund seiner Geburt in Deutschland automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit haben. Dafür muss zum Zeitpunkt der Geburt des Kindes zumindest ein Elternteil:

sich seit mindestens acht Jahren gewöhnlich und rechtmäßig in Deutschland aufhalten und

ein unbefristetes Aufenthaltsrecht oder eine Aufenthaltserlaubnis aufgrund des Freizügigkeitsabkommens zwischen der Europäischen Union und der Schweiz haben.

Ein unbefristetes Aufenthaltsrecht haben zum Beispiel:

→ Personen mit einer Niederlassungserlaubnis oder einer Erlaubnis zum Daueraufenthalt-EU
→ freizügigkeitsberechtigte Unionsbürger bzw. gleichgestellte Staatsangehörige aus Island, Liechtenstein, Norwegen oder der Schweiz sowie deren Familienangehörige und Lebenspartner
→ türkische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie deren Familienangehörige, die ein Aufenthaltsrecht aufgrund des Assoziationsrechts der Europäischen Union mit der Türkei haben.

Liegen diese Voraussetzungen bei Vater oder Mutter vor, sind keine zusätzlichen Anträge nötig. Das Kind wird automatisch bei Geburt Deutsche oder Deutscher. Der Standesbeamte, der die Geburt registriert, muss aber überprüfen, ob die genannten Anforderungen erfüllt sind. Deshalb wird er Ihnen einen Vordruck geben, in dem Sie die entsprechenden Angaben machen sollen.
Auch vor Abschluss dieser Prüfung des Standesbeamten ist Ihr Kind rechtlich gleichberechtigter deutscher Staatsangehöriger, wenn die genannten Voraussetzungen zum Zeitpunkt der Geburt vorlagen.

Wichtiger Hinweis für türkische Staatsangehörige:
Das Bestehen eines assoziationsrechtlichen Daueraufenthaltsrechts ist in der Praxis nicht ohne weiteres für die zuständigen Standesämter erkennbar, wenn die Eltern keine Niederlassungserlaubnis haben. Es ist daher wahrscheinlich, dass es eine größere Anzahl Kinder assoziationsberechtigter türkischer Eltern gibt, die nach einer Gesetzesänderung 2007 die deutsche Staatsangehörigkeit mit der Geburt erworben haben, ohne dass sie davon Kenntnis haben, und ohne dass ein Eintrag in das Geburtenregister (Standesamt) erfolgt ist.

Für türkische Staatsangehörige, die

→ seit dem 28. August 2007 Eltern geworden sind
→ zur Zeit der Geburt des Kindes seit acht Jahren rechtmäßig in Deutschland lebten und
→ annehmen, dass sie zu diesem Zeitpunkt auch ein Daueraufenthaltsrecht hatten,

wird daher empfohlen, bei der örtlichen Staatsangehörigkeitsbehörde (Einbürgerungsbehörde) für ihre Kinder die Ausstellung eines sogenannten Staatsangehörigkeitsausweises zu beantragen.

Nein, weil das neue Recht erst am 1. Januar 2000 wirksam geworden ist. Für Kinder, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht 10 Jahre alt waren, galt für eine Übergangsfrist ein besonderer Einbürgerungsanspruch (§ 40b Staatsangehörigkeitsgesetz). Ein Antrag musste jedoch bis zum 31. Dezember 2000 gestellt worden sein. Für später gestellte Anträge gelten die ganz normalen Voraussetzungen für eine Einbürgerung.

Mit Wirkung vom 20. Dezember 2014 ist eine Reform der sogenannten Optionsregelung im Staatsangehörigkeitsgesetz in Kraft getreten. Sie gilt für Kinder ausländischer Eltern, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind und neben der ausländischen Staatsangehörigkeit ihrer Eltern die deutsche Staatsangehörigkeit mit der Geburt erworben haben. Sie dürfen neben der deutschen auch die ausländische Staatsangehörigkeit dauerhaft behalten.

Die Optionspflicht, also die Pflicht, sich für die deutsche oder die ausländische Staatsangehörigkeit entscheiden zu müssen, tritt voraussichtlich nur noch in ganz wenigen Fällen ein. Nämlich nur dann, wenn der Betroffene zwischen seinem 21. und 22. Geburtstag ein Hinweisschreiben von der zuständigen Einbürgerungsbehörde erhält und nicht nachweisen kann, dass er in Deutschland aufgewachsen ist.

Achtung: Die Optionspflicht galt und gilt generell nicht für Kinder, die nach dem Abstammungsprinzip mit der Geburt mehrere Staatsangehörigkeiten erworben haben, weil ihre Eltern unterschiedliche (die deutsche und eine oder mehrere ausländische) Staatsangehörigkeiten gehabt haben.

Die Optionspflicht gilt auch nicht, wenn die andere Staatsangehörigkeit die eines Mitgliedstaats der Europäischen Union oder der Schweiz ist! Kinder von Unionsbürgern und von Schweizer Staatsangehörigen, die die deutsche Staatsangehörigkeit aufgrund des Geburtsortsortsprinzips erworben haben, sind von der Optionspflicht generell ausgenommen.

Nach dem Staatsangehörigkeitsgesetz sind Sie in Deutschland aufgewachsen, wenn Sie bis zu Ihrem 21. Geburtstag:

→ sich acht Jahre in Deutschland aufgehalten haben,
→ sechs Jahre hier eine Schule besucht haben, oder
→ eine Schule beziehungsweise Berufsausbildung in Deutschland abgeschlossen haben.

Es ist ausreichend, wenn Sie nur ein mögliches Kriterium für das "Aufwachsen in Deutschland" erfüllen.

Als in Deutschland aufgewachsen gelten Sie auch, wenn Sie zwar keines der genannten Kriterien erfüllen, aber einen vergleichbar engen Bezug zu Deutschland aufweisen (Härtefallklausel).

Genauere Informationen darüber, was unter der Härtefallklausel zu verstehen ist, erhalten Sie bei der zuständigen Staatsangehörigkeitsbehörde.

Wenn Sie nach dem Geburtsortsprinzip die deutsche Staatsangehörigkeit und eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzen, müssen Sie grundsätzlich nichts weiter tun. Die zuständige Behörde wird von sich aus prüfen, ob Sie sich acht Jahre gewöhnlich in Deutschland aufgehalten haben. Nur wenn die Behörde dies nicht anhand der verfügbaren Meldedatenzweifelsfrei feststellen kann, wird sie Sie bitten, einen entsprechenden Nachweis (beispielsweise Meldebescheinigungen, Schulbescheinigungen oder ein Schul- oder Berufsabschlusszeugnis) vorzulegen.

Wenn Sie über einen entsprechenden Nachweis verfügen, kann die zuständige Staatsangehörigkeitsbehörde auch vorzeitig (dass heißt, vor dem 21. Geburtstag) auf Ihren Antrag feststellen, dass die Optionspflicht entfällt.

Die Optionspflicht gilt nur für Kinder, die die deutsche Staatsangehörigkeit nach dem Geburtsortsprinzip mit ihrer Geburt oder nach der Übergangsregelung erhalten haben und daneben noch eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzen und nicht in Deutschland aufgewachsen sind.

Sie werden mit Erreichen des 21. Geburtstages ein behördliches Schreiben erhalten, in dem Sie auf ihre Optionspflicht hingewiesen werden. Sie müssen sich spätestens zwei Jahre nach Erhalt des Schreibens für die deutsche oder die ausländische Staatsangehörigkeit entscheiden. Nach der Aufforderung durch die Behörde müssen Sie schriftlich erklären, für welche Staatsangehörigkeit Sie sich entscheiden. Bis spätestens ein Jahr nach dem Erhalt des Schreibens können Sie eine Genehmigung zur Beibehaltung der deutschen Staatsangehörigkeit (Beibehaltungsgenehmigung) beantragen.

Wenn Sie sich im Rahmen des Optionsverfahrens für Ihre deutsche Staatsbürgerschaft entscheiden und nicht genau wissen, ob Sie Ihre ausländische(n) Staatsbürgerschaft(en) aufgeben können, sollten Sie unbedingt vorsorglich einen Beibehaltungsantrag stellen.

Wird Ihnen eine Beibehaltungsgenehmigung erteilt, ist das Optionsverfahren für Sie beendet und Sie können die deutsche sowie die andere Staatsangehörigkeit auf Dauer behalten.

Wichtig: Wenn Sie auf das Schreiben der Behörde nicht innerhalb der Zwei-Jahres-Frist reagieren und keine Entscheidung treffen, verlieren Sie automatisch mit Ablauf der Frist die deutsche Staatsangehörigkeit.

Wenn Sie aber bis zu Ihrem 22. Geburtstag noch kein Schreiben von der Behörde erhalten haben, in dem Sie auf die Optionspflicht hingewiesen wurden, müssen Sie nicht zwischen Ihren Staatsangehörigkeiten entscheiden. Denn in diesem Fall entsteht für Sie keine Optionspflicht.

Achtung: Wenn Sie sich längere Zeit im Ausland aufgehalten haben und die Behörde Ihre aktuelle Adresse nicht kennt, kann der Hinweis durch eine „öffentliche Zustellung“ bekannt gegeben werden. Die Optionspflicht entsteht, ohne dass Sie es wissen.

1. Sie können sich für Ihre deutsche Staatsangehörigkeit entscheiden. Vieles spricht dafür: Die deutsche Staatsangehörigkeit bietet Ihnen viele Chancen und Möglichkeiten. Mit ihr können Sie in Deutschland ohne besondere Erlaubnis leben und in der gesamten Europäischen Union uneingeschränkt studieren und arbeiten. Sie können visumfrei in viele Länder reisen. Mit der deutschen Staatsangehörigkeit haben Sie das Recht, an wichtigen politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen teilzuhaben. Sie können an Volksentscheiden und an allen Wahlen teilnehmen und gewählt werden. Sie bestimmen mit in Deutschland.

Ihre Entscheidung müssen Sie auf jeden Fall der Behörde schriftlich mitteilen und auch nachweisen, dass Sie die andere Staatsangehörigkeit bereits vor Ablauf der Zwei-Jahres-Frist aufgegeben oder verloren haben.

2. Sie können sich entscheiden, die ausländische Staatsangehörigkeit zu behalten. Zugleich verlieren Sie dann aber die deutsche Staatsbürgerschaft.

3. Wenn Sie sich für die deutsche Staatsangehörigkeit entscheiden, die Entlassung aus Ihrer ausländischen Staatsangehörigkeit aber unmöglich oder unzumutbar ist, müssen Sie innerhalb eines Jahres nach Erhalt des Hinweisschreibens eine Beibehaltungsgenehmigung beantragen, um den automatischen Verlust Ihrer deutschen Staatsangehörigkeit zu vermeiden.

4. Wenn Sie zwei Jahre nach Erhalt des Schreibens keine Erklärung abgegeben und Ihre ausländische Staatsangehörigkeit nicht aufgegeben oder verloren haben, verlieren Sie automatisch Ihre deutsche Staatsangehörigkeit.