Integrationsbeauftragte

Sind Flüchtlinge krimineller als der Rest der Bevölkerung?

Kriminologen warnen aber vor zu einfachen Schlüssen. Der frühere Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen Christian Pfeiffer weist zum Beispiel darauf hin, dass die Zahlen auch deshalb so hoch liegen, weil kriminelle Zuwanderer eher angezeigt würden als Einheimische. Grundsätzlich gilt laut Pfeiffer: Je fremder ein Angreifer sei, umso wahrscheinlicher sei es, dass er angezeigt werde. Gleichzeitig muss man die Zahlen in Kontext setzen: Junge Männer stellen unabhängig von ihrer Nationalität grundsätzlich die größte Risikogruppe bei Gewalttaten dar. Dies ist ein wichtiger Punkt, denn knapp 60 % der Asylantragssteller 2016 in Deutschland waren männlich und unter 25 Jahre alt.

Nach Auskunft der Länder wird der überwiegende Teil der Straftaten von Zuwanderern in den Flüchtlingsunterkünften begangen. Dies trifft insbesondere auf die Gewaltkriminalität zu. So fanden beispielsweise in Baden-Württemberg über 60 % der Körperverletzungen von Zuwanderern in Flüchtlingsunterkünften statt. Diese Einschätzung deckt sich auch mit Erkenntnissen des BKA im „Bundeslagebild 2016: Kriminalität im Kontext von Zuwanderern“ zu Opfer-Täter-Beziehungen. Demnach war in 79 % der Fälle ein Zuwanderer tatverdächtig, wenn ein Asylbewerber/Flüchtling Opfer einer Straftat wurde.

Das BKA differenziert weiter: Die Kriminalitätsbelastung von Menschen, die nach Deutschland kommen, unterscheidet sich deutlich nach Herkunftsländern. Tatverdächtige aus Syrien, Afghanistan und Irak waren 2016 im Verhältnis zu ihrem Anteil an der Gesamtzahl der registrierten Einwanderer insgesamt unterrepräsentiert. So stammten laut BKA 2016 35 % aller tatverdächtigen Zuwanderer aus den Hauptherkunftsländern der Asylsuchenden Syrien, Afghanistan und Irak (63 % der Asylsuchenden). Aus den Maghreb-Staaten Algerien, Marokko und Tunesien kamen 11 % aller tatverdächtigen Zuwanderer, obwohl sie nur 2,4 % der Asylsuchenden stellten.

In der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik (PKS), die auch die Grundlage für den statistischen Teil des Lagebildes ist, werden ausschließlich tatverdächtige Personen mit Aufenthaltsstatus „Asylbewerber“, „Duldung“, „Kontingentflüchtling / Bürgerkriegsflüchtling“ und „unerlaubt“ als Zuwanderer erfasst. Tatverdächtige mit positiv abgeschlossenem Asylverfahren werden in der PKS nicht als Zuwanderer gezählt. „Grundlage für den statistischen Teil des Lagebildes sind für den Bereich der Allgemeinkriminalität die Daten aus der PKS, wobei lediglich aufgeklärte Fälle betrachtet werden.

Fazit: Der Anstieg der Kriminalitätsbelastung der Zuwanderer ist aufgrund ihrer demografischen Struktur, ihrer Unterbringungssituation und der Unsicherheit ihres Aufenthalts für Experten keine wirkliche Überraschung, gleichwohl ist er bedenklich. Zur Prävention ist es wichtig, dass Flüchtlinge möglichst rasch dezentral untergebracht werden, da die Unterbringung in Massenunterkünften zu einer höheren Kriminalitätsbelastung insbesondere im Bereich der Gewaltkriminalität führt. Die Asylverfahren müssen zudem schneller werden, damit früher klar ist, wer bleiben kann und wer nicht. Nicht zuletzt ist aber auch eine konsequente Strafverfolgung, Bestrafung und gegebenenfalls Ausweisung und Abschiebung der Täter erforderlich. Hier hat die Bundesregierung in den vergangenen Monaten mehrere Gesetze beschlossen, um die Durchsetzung der Ausreise zu vereinfachen und kriminelles Verhalten stärker zu sanktionieren. [Zurück]