Integrationsbeauftragte

Fakten statt Fake

Im Netz kursieren hartnäckig und gezielt verbreitete Fake News. Begrüßungsgeld oder teure Handys für Flüchtlinge, Integrationssteuer und Burka für alle… Wir widerlegen.

Immer häufiger werden im Internet Fake News, also gezielte Lügengeschichten, verbreitet. Sie halten sich hartnäckig und richten enormen Schaden an, für die Betroffenen selbst, aber auch für ganze Personengruppen. Gerade über Flüchtlinge kursieren viele dieser gefälschten Nachrichten im Internet. Darin werden ihnen unter anderem pauschal Gewalt, Diebstahl oder auch Bevorzugungen gegenüber der hiesigen Bevölkerung unterstellt. Das Ziel von Fake News ist perfide: Sie sollen Neidgefühle und Ängste in der Bevölkerung schüren und zu Hass anstacheln. Nicht immer sind die gefälschten Nachrichten so leicht zu erkennen wie bei der angeblichen Forderung der Beauftragten für Migration, Flüchtlinge und Integration nach einer Burka-Pflicht für alle Frauen in Deutschland. Manche sind subtiler, wie die professionell aufgemachte und trotzdem völlig frei erfundene Nachricht, dass die Beauftragte eine Integrationssteuer gefordert haben soll. Oder der komplett gefälschte Tweet, in dem sie sich angeblich für ein Wahlrecht für Flüchtlinge ausspricht.

Der Phantasie sind offenbar keine Grenzen gesetzt, den Fakten aber schon.

Hier tragen wir für Sie aktuelle Fake News oder Vorurteile zusammen – und widerlegen sie. Auch hilfreich beim Erkennen von Fake News sind Internetplattformen wie beispielsweise mimikama und hoaxmap.

Die Integrationsbeauftragte will ein Wahlrecht für Flüchtlinge?
Dieser angebliche Tweet von Frau Özoğuz ist eine komplette Fälschung. Weder hat die Integrationsbeauftragte diese Twitter-Meldung versandt noch hat sie jemals ein Wahlrecht für Flüchtlinge gefordert. Bekannt wurde der angebliche Tweet der Beauftragten, weil ein AfD-Politiker ihn auf Twitter kommentiert und verbreitet hat. Wie fast immer in solchen Fällen, ist ein Nachweis schwierig, wer diese Fälschung in die Welt gesetzt hat.

Gibt es ein Begrüßungsgeld für Flüchtlinge?
Gibt es nicht! Gerüchte über ein Begrüßungs- oder Willkommensgeld sind schlichtweg falsch! Wer Asyl beantragt, bekommt grundsätzlich Leistungen, die den notwendigen Bedarf an Ernährung, Unterkunft, Kleidung etc. abdecken. Zur Deckung der persönlichen Bedürfnisse des täglichen Lebens, wie zum Beispiel Fahrkarten, Zeitschriften, Geschenke oder Zigaretten werden Asylsuchenden zusätzlich 135 Euro (Stand: März 2017 für alleinstehende Personen) pro Monat gewährt. In der Zeit, in der Asylsuchende in sogenannten Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht werden, soll auch dieser Barbetrag zum persönlichen Bedarf („Taschengeld") vorrangig als Sachleistung gewährt werden. Fazit: Die Regelsätze für Asylbewerber liegen unter Hartz-IV-Niveau.

Bekommen Flüchtlinge Smartphones umsonst?
Ein haltloses Gerücht. Weder Smartphones, Tablets noch sonstige elektronische Geräte werden kostenlos von staatlichen Stellen an Geflüchtete verteilt!

Die Integrationsbeauftragte hat eine Burka für alle gefordert?
Unsinn und Fake News. Die Integrationsbeauftragte lehnt die Vollverschleierung von Frauen als Symbol der Unterdrückung ab und hat das auch öffentlich mehrfach so erklärt.

Sind Flüchtlinge krimineller als der Rest der Bevölkerung?
Um die teilweise erregte Debatte über steigende Kriminalität infolge der hohen Flüchtlingszahlen zu versachlichen, erstellt das Bundeskriminalamt (BKA) seit 2016 eine „Lageübersicht zu Kriminalität im Kontext von Zuwanderung“. Darin stellt das BKA fest, dass sich die hohen Zugangszahlen von Geflüchteten in Deutschland „auch 2016 auf die Kriminalitätsentwicklung sowohl im Bereich der Allgemeinkriminalität als auch im Bereich der politisch motivierten Kriminalität“ auswirken. Die Zahl der straffällig gewordenen Asylbewerber erhöhte sich um 52,7 Prozent. Wurden 2015 noch 114.000 straffällige Asylbewerber, Bürgerkriegsflüchtlinge und Geduldete registriert, waren es im vergangenen Jahr 174.000.
Das BKA unterstreicht aber ganz deutlich: Der weit überwiegende Teil der seit Anfang des Jahres 2015 nach Deutschland gekommenen Zuwanderer begeht weiterhin keine Straftaten.
[Weiterlesen]

Hat die Integrationsbeauftragte eine Integrationssteuer gefordert?
Natürlich nicht! Das wurde niemals gefordert und ist auch nicht gewollt. Dennoch kursierte dieses Gerücht online, auch mit einem Phantasie-Steuersatz von 5,2% vom Brutto-Lohn. Kompletter Unsinn, aber einige glauben es trotzdem und sprachen die Beauftragte darauf auch bei öffentlichen Auftritten an.

Droht eine Islamisierung des Abendlandes?
Immer wieder werden Stimmen laut, die eine angebliche Islamisierung des Abendlands heraufbeschwören. Dazu ein paar Fakten: In Deutschland lebten im Dezember 2015 nach einer Studie des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zwischen 4,4 und 4,7 Millionen Muslime. Das entspricht einem Anteil der Muslime an der Gesamtbevölkerung von 5,4 Prozent bis 5,7 Prozent. Die gefühlte Wahrheit scheint für viele Menschen dennoch eine andere zu sein: In Umfragen wird der tatsächliche Anteil von Muslimen in Deutschland regelmäßig weit überschätzt. Einer von fünf Menschen in Deutschland sei muslimischen Glaubens, schätzten die Befragten z.B. in einer im Dezember 2016 veröffentlichten Studie des Meinungsforschungsinstitut Ipsos. Dabei ist es aber einer von achtzehn Menschen laut BAMF-Studie. In Sachsen beträgt der Anteil der Muslime an der Gesamtbevölkerung übrigens gerade einmal 0,48 Prozent.