Integrationsbeauftragte

Pressemitteilung

Widmann-Mauz: „Wir brauchen konkrete Fortschritte in der Bekämpfung von Rassismus“

Ausgabejahr: 2020
Datum: 23. Juli 2020

Im Rahmen der UN-Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft lädt die Staatsministerin für Integration der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, gemeinsam mit dem Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt (BfDT) Vertreterinnen und Vertreter aus Verbänden und Politik ein, um sich über Herausforderungen in der Bekämpfung von Diskriminierung und Rassismus, über Erfahrungen von Menschen afrikanischer Herkunft und Erwartungen an Politik und Gesellschaft auszutauschen.

Yonas Endrias, Vorstand Zentralrat der Afrikanischen Gemeinde in Deutschland: "Bei der UN-Dekade geht es um Anerkennung der Spezialform von Rassismus gegen Menschen afrikanischer Herkunft, dem sie seit Jahrhunderten ausgesetzt sind. Der Rassismus begann mit Kolonialismus und transatlantischem Handel mit versklavten AfrikanerInnen. Er wirkt sich bis in die Gegenwart aus und hat bis heute keinen eigenen Namen, im Gegensatz zu anderen Formen von Rassismus: Die UNO nennt es Afrophobie."

Dr. Sylvie Nantcha, Bundesvorsitzende von The African Network of Germany e.V.: „Wir fordern die Einrichtung einer zentralen und unabhängigen Anlauf- und Beschwerdestelle, die sich mit rassistischen Übergriffen gegen Menschen mit afrikanischer Herkunft beschäftigt, so wie sie es bereits für Muslime und Juden gibt. Die Stelle muss mit einer mehrsprachigen Hotline für Auskunft und Hilfe für die Betroffenen ausgestattet werden.“

Annette Widmann-Mauz, Staatsministerin für Integration: „Für viele Schwarze Menschen in Deutschland gehören auch 2020 Rassismus und Diskriminierung zur Realität. Das ist mit den Werten unseres Grundgesetzes unvereinbar und das ist Gift für den Zusammenhalt. Die Erfahrungen und Einschätzungen von Menschen afrikanischer Herkunft, um die es heute geht, sind auch für die Arbeit des Kabinettausschusses unverzichtbar. Dort muss es jetzt um konkrete Fortschritte gehen. Die Forderung nach einem Kompetenzzentrum gegen Rassismus mit Hilfetelefon, an das sich Betroffene wenden können und sofort Hilfe erhalten, werde ich in den Kabinettausschuss hineintragen. Ein solches Kompetenzzentrum trägt mit einem wissenschaftlichen Rassismus-Barometer auch dazu bei, die Datengrundlage zu verbessern, um gezielte Maßnahmen gegen Rassismus ergreifen zu können.“

Dr. Gregor Rosenthal, Leiter der Geschäftsstelle des Bündnisses für Demokratie und Toleranz: „Die Mitgestaltung und Teilhabe an unserer Gesellschaft für Menschen afrikanischer Abstammung aktiv umzusetzen, ist eine wichtige Aufgabe für alle zivilgesellschaftlich Engagierten. Wir möchten mit unserem Veranstaltungsangebot nicht nur den Austausch miteinander fördern, sondern auch einen Rahmen für vielfältige Kooperationsprojekte und eine nachhaltige Vernetzung bieten.“

Elisabeth Kaneza, Fellow des UN-Hochkommissariats für die UN-Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft: „Die UN-Dekade ist ein wichtiger Anlass, um die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen afrikanischer Abstammung in Deutschland zu fördern. Es ist dringend notwendig, dass statistische Daten erhoben werden, um ihre Erfahrungen mit Rassismus zu erfassen und basierend darauf geeignete politische Maßnahmen zu entwickeln. Zivilgesellschaftliche Projekte wie der „Afrozensus“ von Each One Teach One e.V.  bilden eine wichtige Grundlage dafür. Daneben müssen auch staatliche Stellen Daten über die Situation von Schwarzen Menschen erheben, um soziale Gefälle und auch Fortschritte messbar machen zu können.“

Mit dem Ziel Lebensrealitäten, Diskriminierungserfahrungen und Perspektiven von Menschen afrikanischer Herkunft in Deutschland statistisch zu erheben, wurde im Juni 2020. die bundesweite Onlinebefragung #Afrozensus gestartet. Um gezielte Maßnahmen ergreifen zu können, ist es erforderlich, die Datengrundlage über Rassismus in Deutschland weiter zu verbessern. Zugleich benötigen Betroffene eine zentrale Stelle, an die sie sich wenden können und schnelle Hilfe erhalten. Integrationsstaatsministerin Annette Widmann-Mauz hat zugesagt, die Forderung nach einem solchen Kompetenzzentrum gegen Rassismus, das Erkenntnisse mit Hilfe eines wissenschaftlichen Rassismus-Barometers bündelt und mit einem zentralen Hilfetelefon zugleich erste Anlaufstelle für Betroffene ist, im Kabinettausschuss zum Thema zu machen.

Mit der Resolution 68/237 haben die Vereinten Nationen 2015 die Internationale Dekade der
Menschen afrikanischer Herkunft ausgerufen. Mehr Einsatz gegen Rassismus und Diskriminierung, mehr Würdigung für den gesellschaftlichen Beitrag von Menschen afrikanischer Herkunft: Das sind die zentralen Ziele der UN-Dekade, die im Juni 2016 auch in Deutschland eröffnet wurde und deren Ziele bis 2024 umgesetzt werden sollen. Die Mitgliedsstaaten sind angehalten, nationale und internationale Rechtsrahmen, politische Konzepte und Programmen zur Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung und damit zusammenhängender Intoleranz gegenüber Menschen afrikanischer Abstammung konkrete und praktische Schritte unternehmen, unter Berücksichtigung der besonderen Situation von Frauen, Mädchen und jungen Männern. Weitere Informationen zur UN-Dekade finden Sie hier: 

https://www.un.org/en/observances/decade-people-african-descent 

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