Alabali-Radovan: „Deutschland weiß um sein Rassismusproblem – jetzt ist Zeit zu handeln“

Die Beauftragte der Bundesregierung für Antirassismus: Reem Alabali-Radovan

Die Beauftragte der Bundesregierung für Antirassismus: Reem Alabali-Radovan

Foto: Fionn Große

Zur Veröffentlichung des ersten Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitor des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM), sagte die Beauftragte der Bundesregierung für Antirassismus, Staatsministerin Reem Alabali-Radovan:

„Deutschland weiß um sein Rassismusproblem. 90 Prozent der Befragten sagen klar und deutlich: Es gibt Rassismus in Deutschland. Die breite Erkenntnis ist eine gute Nachricht, denn sie ist ein wichtiger Schritt für Veränderung. Wir bleiben nicht stehen bei der Erkenntnis; jetzt ist Zeit zu handeln! Jahrzehntelang wurde Rassismus in Deutschland verschwiegen oder gar bestritten, das wirkt bis heute nach. Als Antirassismus-Beauftragte gehe ich den Kampf gegen rassistischen Hass und Diskriminierung direkt aus dem Bundeskanzleramt heraus an. Rassismus ist kein Randphänomen, sondern Realität im Alltag und auch strukturell verankert. Und der Kampf gegen Rassismus geht nicht nur die Betroffenen an, denn Rassismus zersetzt das Fundament unserer Demokratie: Würde, Freiheit und Gleichheit aller 83 Millionen Menschen in unserem Land. Wir alle müssen deshalb Antirassisten sein!

Als Antirassismus-Beauftragte setze ich mich dafür ein, dass das Strafrecht nachgeschärft wird. Wir werden mit der Bundesregierung die Prävention stärken und endlich das Demokratiefördergesetz auf den Weg bringen. Wir stellen die Betroffenen von Rassismus in unseren Mittelpunkt, bei der Beratung, bei den Hilfe-Strukturen, beim Gedenken an die Opfer rassistischer Morde. Und wir packen Strukturen an, die im Alltag rassistisch diskriminieren. In den Behörden, bei der Polizei, am Arbeits- oder Wohnungsmarkt. Dazu gehört, Verfassungsfeinde konsequent aus dem öffentlichen Dienst zu verbannen, eine behördliche Diversity-Strategie und ein Partizipationsgesetz auf Bundesebene. Wir müssen gemeinsam die wehrhafte Demokratie sein, die den Nährboden von Rassismus austrocknet. Sonst werden aus Worten immer wieder Taten.“

Hintergrund

Das DeZIM hat heute die Ergebnisse der Auftaktstudie des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitor (NaDiRa) vorgestellt: „Rassistische Realitäten. Wie setzt sich Deutschland mit Rassismus auseinander?“. Das DeZIM ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung. Es wurde 2017 gegründet und wird durch den Bundeshaushalt gefördert.

Zentrale Ergebnisse des NaDiRa

  • 90% der Befragten sagen: Es gibt Rassismus in DEU.
  • 70% sind bereit, Rassismus entgegenzutreten, sich zu engagieren (bei einer Demonstration, einer Unterschriftenaktion, mit Widerspruch im Alltag oder mit einer Geldspende für Projekte in der Antirassismusarbeit).
  • Struktureller Rassismus65% meinen, in Behörden gebe es rassistische Diskriminierung; 61% meinen, es gebe Rassismus im Alltag.
  • 47% haben in den letzten 5 Jahren einer rassistischen Aussage widersprochen.
  • 22% sagen, sie hätten schon einmal Rassismus erfahren. Vor allem junge Menschen, die als „rassifizierte Person“ gelten. Hingegen sagen 35%, sie seien noch nie, in keiner Form, mit Rassismus in Berührung gekommen.
  • Hingegen deuten 45% der Befragten eine Rassismuskritik als übertrieben, als Einschränkung der Meinungsfreiheit im Sinne „politischer Korrektheit“. Manche, die sich über Rassismus beschweren, seien zudem „überempfindlich“ (33%) oder zu „ängstlich“ (52%).

Alle Informationen zum NaDiRa:  https://www.rassismusmonitor.de/