Integrationsbeauftragte

Jahreskonferenz der Gleichbehandlungsstelle EU-Arbeitnehmer: soziale Medien für die Migrationsberatung nutzen

Ausgabejahr: 2017
Datum: 14. Dezember 2017

Im  Mittelpunkt der heute in Berlin stattfindenden Jahreskonferenz der Gleichbehandlungsstelle EU-Arbeitnehmer der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Aydan Özoğuz, steht die Frage, wie soziale Medien in der Migrationsberatung eingesetzt werden können.

Über zwei Millionen EU-Bürgerinnen und Bürger arbeiten in Deutschland; sie sind damit eine der wichtigsten Einwanderergruppen. Um hier gut arbeiten zu können, sind sie auf qualifizierte Beratung angewiesen. Gerade die jungen neu eingewanderten Arbeitsuchenden sowie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus der EU informieren sich häufig in sozialen Medien über Arbeitsbedingungen oder rechtliche Regelungen. Ein von der EU-Gleichbehandlungsstelle bei der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration gefördertes Modellprojekt MB 4.0 – Gute Arbeit in Deutschland, das auf der Konferenz vorgestellt wird, trägt diesem Umstand Rechnung.

Zur Eröffnung der Konferenz erklärte Staatsministerin Özoğuz:

"Mit dem Modellprojekt wollen wir einen neuen Weg der Beratung erproben. Besonders jüngere Eingewanderte informieren sich vor allem im Netz. Im besten Fall können die sozialen Medien also Türöffner für diejenigen sein, die wir über bisherige Formen der Beratung nicht erreichen. Schließlich sind transparente Information und faire Beratung von EU-Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zwei der wichtigsten Voraussetzungen, um Ausnutzung und Ausbeutung vorzubeugen. Auch für die Anerkennung von Qualifikationen dieser Einwanderergruppe ist die gezielte Beratung entscheidend."

In dem von Minor e.V. (ein Träger für bundesweite und transnationale Bildungs- und Forschungsprojekte) durchgeführten Projekt werden Expertinnen und Experten der Migrationsberatung neu eingewanderte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus Polen, Rumänien und Bulgarien sowie Arbeitssuchende aus diesen Ländern in den sozialen Netzwerken in den jeweiligen Muttersprachen informieren und beraten. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden wissenschaftlich ausgewertet, mit dem Ziel, modellhafte Beratungsmethoden für die Zielgruppe EU-Arbeitnehmerinnen und EU-Arbeitnehmer zu entwickeln.

An der heutigen Konferenz nehmen rund 150 Vertreterinnen und Vertreter von staatlichen und nichtstaatlichen Beratungsstellen, Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbänden, Migrantenorganisationen, Arbeitgeberverbänden sowie Integrationsbeauftragte der Länder und Kommunen teil. Referentinnen und Referenten kommen aus Wissenschaft, Verwaltung, Wohlfahrtspflege und der Migrationsberatung, darunter Dr. Hanna Krasnova, Professorin für Wirtschaftsinformatik am Deutschen Internet-Institut der Universität Potsdam, die die Keynote-Speech hält.

Neben dem Modellprojekt MB 4.0 diskutieren die Teilnehmenden weitere aktuelle Projekte: "Neu in Berlin", ein Projekt des Willkommenszentrums Berlin; die Facebook-Community "Polki w Berlinie" (Polinnen in Berlin); "Handbook Germany", eine Informationsplattform für Geflüchtete sowie "Amtlich bringt weiter", eine digitale Kampagnenstrategie der Bundesagentur für Arbeit zum Dialog mit jugendlichen Zielgruppen.

Die Gleichbehandlungsstelle EU-Arbeitnehmer im Arbeitsstab der Beauftragten für Migration, Flüchtlinge und Integration hat das Ziel, Bürgerinnen und Bürger der EU in den Rechten, die ihnen im Rahmen der Arbeitnehmerfreizügigkeit in Deutschland zustehen, zu unterstützen. Dazu gehört es, ihnen und ihren Familienangehörigen unabhängige Beratung anzubieten sowie den Informationsaustausch innerhalb der bestehenden Beratungsstrukturen in Deutschland zu fördern. Die Gleichbehandlungsstelle nahm im Mai 2016 ihre Arbeit auf. Damit wurde die EU-Richtlinie zur Durchsetzung der Arbeitnehmerfreizügigkeit (2014/54/EU) umgesetzt, die alle EU-Mitgliedstaaten verpflichtet, Stellen zur Förderung der Gleichbehandlung einzurichten.

Zusatzinformationen