Integrationsbeauftragte

Religion und Integration

Der Glaube an die Vielfalt

Durch Einwanderung ist das religiöse Leben in Deutschland vielfältiger geworden. Über 150 Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften haben mittlerweile ihren festen Platz in der Gesellschaft.

Aktuelle Studien belegen: Die meisten Menschen in Deutschland haben ein grundsätzlich aufgeschlossenes Verhältnis zu Religion. Eine von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) in Auftrag gegebene Umfrage kommt für 2016 aber zu diesem Ergebnis: Die positive Haltung gegenüber Menschen christlichen, jüdischen oder buddhistischen Glaubens ist deutlich stärker ausgeprägt als gegenüber Musliminnen und Muslimen. Ein Drittel der Befragten hat sogar ein eher negatives bis sehr negatives Bild vom Islam.

Das zeigt auch im Alltag Auswirkungen: Grundsätzlich würden die meisten Menschen in Deutschland zwar der Aussage zustimmen, dass alle religiösen Gruppen gleiche Rechte haben sollten. Wenn es aber um konkrete Themen geht, ergibt sich ein anderes Bild: zum Beispiel dann, wenn Moscheen errichtet werden oder Frauen mit Kopftuch an Schulen unterrichten wollen.

Eines ist klar: Das Grundgesetz schützt ausdrücklich die Freiheit des Glaubens und die Religionsausübung. Aus gutem Grund. Ausgrenzung und Vorurteile gegenüber Religionen und Weltanschauungen gefährden den Zusammenhalt in Deutschland und stellen die Grundwerte unserer Gesellschaft in Frage.

Besondere Bedeutung für die Teilhabe

Auch staatliche und zivilgesellschaftliche Stellen stehen daher in der Verantwortung, sich der Bedeutung der Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften für Zusammenhalt und Teilhabe bewusst zu werden. Entsprechend wichtig sind intensive und vertrauensvolle interreligiöse Dialoge auf allen Ebenen, getragen von wechselseitigem Respekt und Vertrauen. Es gilt zum Beispiel, Dialoge und Begegnungen zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen zu fördern. Denn so lassen sich wechselseitige Wertschätzung und gegenseitiges Vertrauen stärken.

Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften leisten viel für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. In der katholischen Kirche hat beispielsweise jeder Fünfte einen Migrationshintergrund. Aufgrund dieser Zahl besteht bereits heute ein vielfältiges kirchliches Angebot für Katholikinnen und Katholiken unterschiedlicher Muttersprachen. Und die Evangelischen Kirchen in Deutschland erbringen im Bereich von Flüchtlingsschutz und Integration seit Jahren umfangreiche Leistungen. Diese Aufzählung lässt sich fortsetzen, denn auch die orthodoxen Kirchen in Deutschland, die jüdischen Gemeinden und nicht zuletzt die muslimischen Verbände setzen sich mit großem Engagement für Integration und Teilhabe ein.

Für gesellschaftlichen Zusammenhalt

Die Integrationsbeauftragte hält es für wichtig, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und Tendenzen religiöser Abgrenzung entschlossen entgegenzutreten. Eine Verstetigung, besser noch Ausweitung interreligiöser Begegnungen zur Vertrauensbildung ist hier unverzichtbar. Gleiches gilt für eine wissensbasierte und objektivierte Auseinandersetzung mit Weltreligionen, ihren Grundfesten und ihren Gemeinsamkeiten. Hier sieht die Integrationsbeauftragte das Bildungssystem ebenso gefordert wie die Religions- und Glaubensgemeinschaften selbst.