Integrationsbeauftragte

Gesundheit und Integration

Teilhabe an Prävention, medizinischer und pflegerischer Versorgung, Rehabilitation

Kindrarzt behandelt ein Baby in der Praxis Arztbesuch Quelle: ullstein bild - Boness/IPON

Welchen Schwierigkeiten begegnen wir?

Migrantinnen und Migranten nehmen zum Teil unterdurchschnittlich an den präventiven und medizinischen sowie den Rehabilitationsleistungen des Gesundheits- und Pflegewesens teil. Für einige Gruppen sind diese Leistungen vorübergehend (wie bei Flüchtlingen) oder dauerhaft (wie bei Personen ohne Aufenthaltstitel) eingeschränkt. Hinzu kommt eine unbekannte Zahl von Migrantinnen und Migranten, die trotz Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis nicht krankenversichert sind.

Die hohe Versorgungsqualität des Gesundheits- und Pflegewesens kann aber nur effizient und adäquat genutzt werden, wenn alle Menschen einen optimalen Zugang haben.

Für das zurückliegende Themenjahr „Gesundheit und Pflege in der Einwanderungsgesellschaft“ (2015) hatte die Beauftragte deshalb die Frage in den Mittelpunkt gestellt, wie das Gesundheits- und Pflegewesen den Anforderungen einer Einwanderungsgesellschaft gerecht werden kann:

"Die Gesundheit ist das wohl wichtigste Gut für jeden einzelnen von uns. Aber nicht alle Menschen in unserem Land können gleichermaßen vom hohen Standard unseres Gesundheits- und Pflegewesens profitieren: Wir haben noch immer strukturelle Probleme bei der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung von Menschen, die vor vielen Jahrzehnten einwanderten und ihren Nachkommen. Besonders viele Informationsdefizite lassen sich bei denjenigen feststellen, die erst kurz in unserem Land sind. Das hat häufig Auswirkungen auf Kinder, wenn ihre Eltern die Vorsorgeuntersuchungen nicht wahrnehmen.“

(Aus der Rede der Beauftragten anlässlich der Auftaktveranstaltung zum Themenjahr Gesundheit.)

Welche Schritte müssen wir gehen?

Auf dem Integrationsgipfel 2015 von Bundeskanzlerin Angela Merkel haben Bundesregierung, Länder, Kommunen, Migrantenorganisationen und Wissenschaft die Herausforderungen benannt:

  • Die aktuelle Daten- und Faktenlage ist unvollständig und lässt keine systematische Auswertung der gesundheitlichen Situation von Menschen mit Einwanderungsgeschichten zu. Diese Gruppe soll in der Gesundheitsberichterstattung und der epidemiologischen Forschung regelmäßig berücksichtig werden.

  • Darüber hinaus fehlt es an einer zielgruppengenauen Ansprache, damit alle Menschen von den Leistungen des Gesundheitswesens profitieren können. Viele Informationen über medizinische Leistungen, Rehabilitation oder Präventionsangebote erreichen Menschen mit Einwanderungsgeschichten nicht in ausreichendem Maße.

  • Die interkulturelle Öffnung und kultursensible Angebote sind die Zukunftsaufgabe für alle Einrichtungen der medizinischen und pflegerischen Versorgung sowie der Prävention und Selbsthilfe.

  • Die Migrantenorganisationen haben sich im Themenjahr Gesundheit unter anderem mit einem Positionspapier beim Integrationsgipfel eingebracht. Sie sehen sich als Katalysatoren der Teilhabeförderung. Sie sind es, die durch ihre Zugänge zu den Einwanderergruppen die Türen zum Gesundheits- und Pflegewesen öffnen können. Die Selbsthilfe spielt hierbei eine wichtige Rolle.

Bundesministerium für Gesundheit: Portal "Migration und Gesundheit"
Auf dem mehrsprachigen Internetportal "Migration und Gesundheit" können sich Menschen informieren, die mit dem deutschen Gesundheitswesen nicht vertraut sind. Das Portal richtet sich außerdem an ehrenamtliche Helfer und Helferinnen, die Einwanderinnen und Einwanderer nach ihrer Ankunft unterstützen. Sie können sich über Themen wie beispielsweise Impfschutz, Schwangerschaft, Notfälle, Frauen- und Männerkrankheiten, Kinder und Sucht informieren.

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
In Deutschland leben rund 15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Dies berücksichtigt die BZgA bei allen Maßnahmen, die sich an die gesamte Bevölkerung richten: So werden beispielsweise in Materialien für die Gesamtbevölkerung auch Personen mit Migrationshintergrund, Namen ausländischen Ursprunges und Geschichten, die vom Leben von Migrantinnen und Migranten erzählen, dargestellt.

Newsletter Interkulturelle Öffnung im Gesundheitswesen der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e. V. (LVG)

Arbeitskreis Migration und öffentliche Gesundheit
Der bundesweite Arbeitskreis Migration und öffentliche Gesundheit wird von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration koordiniert. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Verbesserung der gesundheitlichen Beratung und Versorgung von Migrantinnen und Migranten.

Die rund 50 Mitglieder des Arbeitskreises kommen aus den unterschiedlichsten Fachbereichen des öffentlichen Gesundheitsdienstes und des Gesundheitswesens, der Kommunen, der Länder und des Bundes sowie aus fachlich spezialisierten Einrichtungen von Migrantinnen und Migranten. Von Seiten des Bundes sind das Bundesministerium für Gesundheit und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) vertreten.