Integrationsbeauftragte

Jahreskonferenz zu sozialen Netzwerken

Migrationsberatung 4.0

Informationssuche in sozialen Medien: Die Gleichbehandlungsstelle EU-Arbeitnehmer diskutierte über neue Wege der Beratung.

EUGS Jahreskonferenz 2017 Online und offline im Gespräch bleiben: Teilnehmerin auf der Jahreskonferenz der EU-Gleichbehandlungsstelle Foto: Integrationsbeauftragte/Mazur

Wie können Neuzugewanderte auf Facebook und Co. erreicht werden? Wie erfahren sie von Angeboten und Beratungen? Diese Fragen standen auf der Jahreskonferenz der EU-Gleichbehandlungsstelle am 14. Dezember 2017 in Berlin im Mittelpunkt. Es nahmen rund 140 Vertreterinnen und Vertreter von staatlichen und nichtstaatlichen Beratungsstellen, Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbänden, Migrantenorganisationen, Arbeitgeberverbänden teil sowie einige Integrationsbeauftragte der Länder und Kommunen. EU-Bürgerinnen und Bürger, die in Deutschland leben und Arbeit suchen, informieren sich oft in sozialen Medien über Arbeitsbedingungen oder rechtliche Regelungen.

Neu eingewanderte Migrantinnen und Migranten zeigen – ebenso wie die jüngere Bevölkerung in Deutschland – ein grundlegend anderes Informations- und Kommunikationsverhalten als ältere Generationen. Staatsministerin Aydan Özoğuz sprach in ihrer Begrüßungsrede von den sozialen Medien als "Türöffner" für diejenigen, die über die bisherigen Strukturen nicht mehr erreicht werden. "Wir müssen unsere Informations- und Beratungswege an die neuen Gegebenheiten und das Internet-Zeitalter anpassen." Ausgehend von dieser Erkenntnis startete im Dezember 2017 das von der EU-Gleichbehandlungsstelle bei der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration geförderte Modellprojekt MB 4.0 – Gute Arbeit in Deutschland, das auf der Konferenz vorgestellt wurde.

Erstberatung findet in den sozialen Medien statt

EUGS Jahresveranstaltung Wie kann man in den sozialen Medien beraten? Eine der Schlüsselfragen auch in den Workshops der Jahreskonferenz Quelle: Integrationsbeauftragte/Mazur

Das von Minor (Träger für bundesweite und transnationale Bildungs- und Forschungsprojekte) durchgeführte Projekt mit einer Laufzeit von zwei Jahren richtet sich an neu zugewanderte Arbeitssuchende, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus Polen, Rumänien und Bulgarien. Expertinnen und Experten der Migrationsberatung werden in den sozialen Netzwerken ausgewählter Communities interaktiv und in den jeweiligen Muttersprachen informieren und beraten. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden wissenschaftlich ausgewertet, mit dem Ziel, modellhafte Beratungsmethoden für die Zielgruppe EU-Arbeitnehmerinnen und EU-Arbeitnehmer in den sozialen Medien zu entwickeln.

Digitale Kampagnen stellen sich vor

Neben dem Modellprojekt MB 4.0 gab es weitere aktuelle Projekte, die in Workshops diskutiert wurden: "Neu in Berlin", Projekt des Willkommenszentrums Berlin; die Facebook-Community "Polki w Berlinie" (Polinnen in Berlin); "Handbook Germany" – eine Infoplattform für Geflüchtete sowie "Amtlich bringt weiter", eine digitale Kampagnenstrategie der Bundesagentur für Arbeit zum Dialog mit jugendlichen Zielgruppen.

So vielfältig die sozialen Medien sind, so unterschiedlich sind auch die Projekte, die von Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Verwaltung, Wohlfahrtspflege und der Migrationsberatung vorgestellt wurden. Sie alle aber haben im Blick, dass die Menschen dort abgeholt werden müssen, wo sie sich viel aufhalten und informieren: in den sozialen Netzwerken. Auch die keynote speech der Professorin Dr. Hanna Krasnova von der Universität Potsdam, die zur Nutzung sozialer Medien von syrischen Flüchtlingen forscht, unterstrich diese Erkenntnis.

Auf dem Podium diskutierten Hannes Rumm, Berater für strategische Kommunikation im Außenministerium Estlands, Sharmila Hashimi von Handbook Germany, Dr. Christian Pfeffer-Hoffmann von Minor und Prof. Dr. Hanna Krasnova die Herausforderungen und Möglichkeiten von Social Media in der Migrationsberatung. Hannes Rumm, der mit Estland ein Land vertritt, das führend in der digitalen Kommunikation ist, machte eindrucksvoll deutlich, wie weit auch die öffentlichen Stellen in den sozialen Netzwerken präsent sind und damit die Menschen besser informieren und unterstützen können.